Die CERA-Falle PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Was in Fahrerkreisen als neues Wundermittel gilt, entpuppte sich in den letzten Wochen als Katastrophe für Sportbetrüger: Das EPO der dritten Generation ist nachweisbar ...

 
Kommentar: Basso vom Bock zum Gärtner gemacht PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Am 24. Oktober endet die Dopingsperre des wegen Dopings gesperrten Ivan Basso. Die Saison wird dann vorüber sein und Basso wird vermutlich immer noch auf seine Version bestehen, dass er zwar Blut an Dopingarzt Eufemiano Fuentes geschickt, jedoch nie präpariertes Blut eingesetzt hat. Niemand hat offensichtlich optimiertes Blut des Wunderdocs eingesetzt und der Eindruck könnte entstehen, die Aufdeckung des Skandals wäre gerade noch rechtzeitig gekommen. Die Chronologie sah jedoch anders aus, denn Basso hatte zunächst zugegeben gedopt zu haben, widerrief seine Aussage kurz darauf und behauptete fortan, er habe nur vorgehabt zu dopen. Ach so, naja dann...

 
Kommentar: Nur noch Papier - der Fall Jan Ullrich PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Anfang der Woche wurde von Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel das Verfahren gegen Jan Ullrich eingestellt. Ullrich zahlt eine bisher ungenannte Summe und hat damit die Ermittler vom Hals. Wie hoch er dafür in die Tasche greifen muss, ist reine Spekulation. Die BILD mutmaßte, es wären 250.000 Euro. FOCUS sprach von 1 Million Euro. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen.

 
Kommentar: STADA, EPO und Radsport - eine merkwürdige Ehe PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

STADA – der Hauptförderer des Bundes Deutscher Radfahrer bekommt die Zulassung für ein EPO-Präparat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

 
Kommentar: Rhein-Konvoi auf Umwegen PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Während man sich in Österreich langsam aber sicher an die einheimischen Dopingwahrheiten gewöhnt, sich die behördlichen Untersuchungen bei der Blutbankfirma Humanplasma so dahin schleppen, die verloschene und verurteilte Leichtathletiksuperheldin Marion Jones zum Wochenende für 6 Monate in den Knast einrückt, kommt auch hier in Deutschland in den wahrscheinlich größten Dopingskandal der BRD wieder etwas Bewegung.

Patrick Sinkewitz hat im Zuge der Ermittlungen gegen Andreas Schmid und Lothar Heinrich offensichtlich Namen von Kollegen nennen müssen. Damit erhärtet sich der Verdacht, der vor  Jahresfrist von Antidopingexperte Franke geäußert wurde: nach seinen Informationen war das gesamte T-Mobile (Rest-)Team an einem lauen Sommerabend 2006 in der Unklinik Feiburg versammelt und hat sich dort mit Eigenblutkonserven versorgen lassen. Man darf gespannt sein, wie dort die Versorgung der bis zu möglicherweise sieben anwesenden Radprofis erklärt wird.

„Für die Ermittler wirft der neue Sachstand weitere Fragen auf. Bleibt eingedenk des klar konturierten Rhein-Konvois die alte Version glaubhaft, dass an jenem Juli-Abend ganz allein der beschuldigte Doktor Schmid mit Schläuchen, Kanülen und Beuteln zugange war - oder gab es weitere Freiburger Helfer? Spannend. Auch aus Sicht der Uni-Klinik.“ (Süddeutsche Zeitung vom 8.3.08).
Nach wie vor ist es wenig glaubhaft, dass die Doktoren Heinrich und Schmid ohne Mitwissen von Vorgesetzten und Klinikorganisation die „Gewinnung“, Lagerung und Versorgung mit Eigenblutkonserven organisieren konnten. Dazu muß sollte mutmaßlich ein großer apparativer und dokumentatorischer Aufwand betrieben werden. Schwer vorstellbar, dass der damals geschäftsführende Oberarzt Schmid, die T-Mobilisten persönlich durch den Hintereingang ließ und die Jungs dann geduldig Schlange stehen mussten – um anschließend den Boden zu wischen und den Medizinmüll mit ihm zusammen zu entsorgen.

Die Beantwortung dieser Fragen ist das eigentlich Spannende an den Neuigkeiten aus dem Breisgau.

 Helmut Baumgartner

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
 Neues vom Rhein-Konvoi (Süddeutsche Zeitung)
 
Kommentar: Krieg zwischen UCI und ASO PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Seit der Tour 2007 und den Schuldzuweisungen um den gedopten Dänen Rasmussen sind sämtliche Friedensverhandlungen auf Eis gelegt. Der runde Tisch, an den sich UCI-Chef Pat McQuaid und sein Pendant Patrice Clerc bei der ASO setzen könnten, wurde spätestens im letzten Oktober zu Sägemehl verarbeitet, als die ASO die Rennställe zur Diskussion über eine Abspaltung von der UCI aufrief und diese dabei außen vor blieb.

"Es gibt nur eine Lösung –  den Rücktritt der UCI-Offiziellen" war die Aufschrift des Fehde-Handschuhs, den Clerc McQuaid vor die Füße warf. Die Anti-Doping Organisation WADA scheint sich im Lager der ASO wohl zu fühlen, deutsche und französische Rennställe ebenso. Spanier und Italiener würden gerne alles so lassen, wie es ist.

Nun steht die Eskalation des Streits bevor: Entweder folgen die Teams der UCI und nehmen an Weltmeisterschaften und Olympia teil, oder sie schließen sich der ASO an, die immerhin die Tour de France, Paris-Roubaix, Paris-Nizza, Lüttich-Bastogne-Lüttich und viele andere Top-Events veranstaltet.

Druckmittel haben beide: Die UCI ist im Besitz von je einem Viertel der Fahrergehälter eines jeden Teams. Die Summe liegt bei einigen Teams über einer Million Euro und ist somit ein echtes Druckmittel der UCI.
Die ASO wiederum behält sich vor, bestimmte Teams nicht zur Tour einzuladen, sofern sie nicht an anderen Veranstaltungen der ASO teilnehmen. Mittelfrisitg wird die ASO eine eigene Rennserie anbieten - weiterer Zündstoff.

Während die beiden Hauptkontrahenten sich gegenseitig vor dem Endkampf fixieren, sägen auch die Veranstalter RCS (Giro D'Italia), Unipublic (Vuelta), Langteam (Polen-Rundfahrt) und Upsolut/Lagadére (Deutschland-Tour) am Thron der UCI, die gerne eine Keil zwischen die großen Veranstaltungen treiben will.

Schöne heile Welt des Radsports! Der dumme August ist in diesem Szenario der Radsport und seine Protagonisten.

 Ingo Kruck

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
 Neues vom Rhein-Konvoi (Süddeutsche Zeitung)
 
Kommentar: Das Anabolika-Alibi von Peking PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Die Olympischen Spiele in Peking sind schon jetzt eine mittlere Katastrophe und fangen sie erst einmal an, könnte sich noch mehr Unheil zusammenbrauen.

Abgesehen von der massiven Luftverschmutzung in und um Peking ist zu befürchten, dass es in China zu überdurchschnittlich vielen Dopingfällen kommt. Wer erwischt wird, bekommt die Ausrede jedoch frei Haus geliefert...

Wer mit anabolen Steroiden herumspielt und beispielsweise Clenbuterol einsetzt, kann sich im Falle einer Entdeckung auf den Genuss von süß-saurem Schweinefleisch in Pekings Straßen-Gastronomie berufen. Das leistungssteigernde Mittel setzte u.a. Dschamolidin Abduschaparov bei der Tour 1997 ein und wurde erwischt. In China kommt Clenbuterol gerne bei der Schweinemast zum Einsatz, um fettfreies Fleisch zu erzeugen.

Auch andere Anabolika wurden nach Medienberichten in tierischen Produkten gefunden. Tierfutter mit Wachstumshormonen steht hoch im Kurs und landet über die Nahrungskette im menschlichen Organismus. Da wundert es nicht, wenn die Brustbehaarung zunimmt.

Das olympische US-Team will sich nicht auf die Garantie für die Sicherheit der Nahrungsmittel der Oganisatoren in Peking verlassen und eigene Lebensmittel mitbringen. Dies dürfte zu einem Problem werden, da die Sportler keine eigenen Lebensmittel ins olympische Dorf einführen dürfen. Der Chef der Nahrungsmittelaufsicht von Peking, Lu Yong, widersprach laut aktuellen Pressemeldungen Angaben, dass vielfach eingesetzte Anabolika im Fleisch oder andere Rückstände bei Sportlern positive Dopingproben auslösen könnten.

Wir werden sehen, welche Sportler sich im nachhinein Ausflüge in die chinesischen Gastronomie als Alibi zurechtlegen.

Vielleicht sehen wir 2008 auch erstmals Ausdauersportler mit Atemschutzmasken gegen den Smog. Na dann fröhliche Spiele...

 Ingo Kruck

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
 Dopingrohstoffe kiloweise (Tagesschau.de)
 Angst vor Anabolika im Fleisch (Focus.de)
 
Kommentar: Perfluorcarbon PDF Drucken E-Mail

100% Anti Doping

Eine Suchabfrage durch einen anonymen Leser in der internen Suche war Anlass zum folgenden Artikel, der sich mit einem gefährlichen Dopingpräparat befasst: Perfluorcarbon (PFC)

Ein altbekannter Sportmediziner  aus der Gilde der Freiburger Dopingärzte, Dr. Lothar Heinrich, gab während der Tour 1999 ein Interview zum Thema PFC in dessen Verlauf er dringend vor dem Gebrauch von PFC warnt. Ein Auszug:

"PFC ist in der Forschung der Notfallmedizin entwickelt worden. In Deutschland und Europa ist PFC überhaupt nicht zugelassen und wird noch nicht einmal klinisch getestet, sondern erst in Tierversuchen. Es hat sehr toxische Nebenwirkungen. Ein Spezialist hat mir erzählt, daß die Tiere in den Versuchen nicht lange überleben. Ziel der Forschung ist es, eine Art Blutersatz zu entwickeln, den man bei Notfällen bei großem Blutverlust geben kann, ohne daß man auf Blutgruppenzugehörigkeit usw. achten muß.
...
Es ist ganz sicher nicht weit verbreitet. Das Risiko ist viel zu groß, daß es den möglichen leistungssteigernden Effekt 
gar nicht lohnen würde. Aber es gibt immer ein paar dumme Jungs, die vor sich selbst beschützt werden müssen. PFC ist wirklich sehr, sehr gefährlich, Daher rechtfertigen sich auch die Tests, zumal diese ja auch so schonend durchgeführt werden können."

Wie wir alle wissen, ist Dr. Heinrich nicht unbedingt eine verlässliche Quelle für die wirkliche Verbreitung von Dopingsubstanzen im Sport. Zu den angesprochenen "dummen Jungs" zählte ganz offensichtlich auch Kronzeugenregelungs-Profiteur Jörg "Bella" Jaksche, der sich im folgenden WDR-Video gut mit PFC auszukennen scheint.

Ähnlich wie EPO optimiert PFC den körpereigenen Sauerstoffhaushalt und somit auch die Leistung. Ebenso gefährlich ist es aber auch und Radsportscout kann nur raten die Finger von einem solchen Präparat zu lassen. Abgesehen davon gibt es inzwischen Tests, die PFC über die Atemluft nachweisen können!

 Ingo Kruck

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
 Perfluorcarbon (Wikipedia)
 Perfluorcarbon im Überblick (Dopingnews.de)
 
Kommentar: T-Mobile am Tropf PDF Drucken E-Mail

T-Mobile am Tropf

Wer bisher noch einen Funken Hoffnung hatte, dass nicht alle Fahrer des ehemaligen T-Mobile TDF-Kaders 2006 Doping-Sünder wären, muss heute um 14.05 Uhr auf dem Hessischen Rundfunk (hr-iNFO) die Ohren spitzen.

"Nach meinen Informationen war das gesamte Team T-Mobile dort gelegen und wurde per Infusion vollgemacht mit eigenen roten Blutkörperchen. Das wird aber bis heute so als staatsgefährdend angesehen, dass hier einfach nicht durchermittelt wird."  So Franke zu hr-iNFO im Interview.

Angeblich soll das gesamte Kader in der sportmedizinischen Abteilung der Freiburger Uniklinik systematisch mit Blutdoping unter der Regie der ehemaligen Teamärzte Lothar Heinrich Andreas Schmid behandelt worden sein.

Das betrifft in diesem Fall:

  • Jan Ullrich (GER) - vor Beginn der Tour 2006 vom Team suspendiert
  • Andreas Klöden (GER) - bestreitet bis heute jegliches Doping
  • Michael Rogers (AUS) - bestreitet bis heute jegliches Doping
  • Oscar Sevilla (ESP) - vor Beginn der Tour 2006 vom Team suspendiert
  • Patrik Sinkewitz (GER) - gab Doping zu
  • Matthias Kessler (GER) - am 24. April 2007 des Dopings überführt (Testosteron) und vom Team (Astana) suspendiert
  • Serhij Honchar (UKR) - nach "Verstößen gegen den teaminternen Verhaltenscodex" vom TMO suspendiert - mehrfach unter Verdacht gewesen
  • Lorenzo Bernucci (ITA) - wegen der Einnahme eines Appetitzüglers im August 2007 von TMO suspendiert
  • Giuseppe Guerini (ITA) - bisher keine Anhaltspunkte für Doping
  • Sergei Ivanov (RUS) - bisher keine Anhaltspunkte für Doping
  • Eddy Mazzoleni (ITA) - beendete nach Dopingvorwürfen seinen Kontrakt mit Astana
  • Stephan Schreck (GER) - bisher keine Anhaltspunkte für Doping

Sechs Fahrer galten bisher als einzige Dopingsünder von TMO, die bei der Tour 2006 zu unerlaubten Mitteln griffen. Die Vorwürfe Frankes gelten jedoch dem ganzen Team  und insbesondere Rogers und Klöden, die jedoch mehrfach Dopingvorwürfe zurückwiesen. Laut Staatsanwaltschaft fielen zwei codierte Namen auf, die den bisher sechs entlarvten Sündern hinzuzufügen sind. Rogers und Klöden? 

Wie stichhaltig und belastbar sind die "Informationen", die der Heidelberger Molekularbiologe der Staatsanwaltschaft anbietet? Ist es vorstellbar, dass sich die ermittelnden Behörden zurückhalten - gar etwas im Sande verlaufen lassen wollen? Ich glaube kaum, denn die Öffentlichkeit weiß auch dank Franke bereits zu viel um so etwas zu tolerieren. Es ist eher anzunehmen, dass die beiden Fahrer zu den nun öffentlich gewordenen Anschuldigungen Stellung nehmen sollen.Schockierend ist und bleibt, wie sich die Ärzte einer renommierten Uni-Klinik in den Dienst krimineller Machenschaften gestellt haben und so den guten Ruf des Klinikums, der Sportärzte im allgemeinen und den Radsport in den Dreck gezogen haben. Bleibt zu hoffen, dass die Vorgänge in Freiburg und bei TMO restlos aufgeklärt werden.

© Image-Copyrights: Dreamstime

Ingo Kruck 

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
Weiterführende Links: Radsport Franke Interview (HR Online)
Weiterführende Links: Radsport Livestream hr-iNFO
Weiterführende Links: Radsport Sportmedizin Freiburger Universitäts Klinikum
Weiterführende Links: Radsport Prof. Dr. Werner Franke (Deutsches Krebsforschungszentrum - Abteilung Zellbiologie)
 
Kommentar: Spanien und seine Haltung zum Anti-Doping PDF Drucken E-Mail

Spaniens Haltung zu Anti-Doping

Wie die Radsportfans in diesem Jahr feststellen mussten, kennt Doping keine Grenzen. Auch deutsche Ärzte waren in einem Umfang an Dopingpraktiken beteiligt, die sich zu Beginn des Jahrs 2007 kaum jemand vorstellen konnte. Der Unterschied zu anderen Ländern scheint jedoch in der Akribie der Aufarbeitung zu liegen.
Während hierzulande der größte Teil der Radsportfangemeinde wissen will, wer betrogen hat, wie er es tat und dann nach einer möglichst langen Sperre ruft, wundert man sich in anderen Ländern nur über unser Verhalten.

Ob Belgier, Franzosen, Italiener oder Spanier - Doping-Vergehen sind hier kaum mehr wert als eine kleine Meldung und des Dopings verdächtigte Fahrer werden vor allem in Spanien und Italien bis zur endgültigen Sperre verehrt und bedingungslos verteidigt. Ein Beispiel lieferte während der 2007er Vuelta der Sportminister der Region Murcia, Pedro Alberto Cruz, als er Alejandro Valverde (geboren in Las Lumbreras, Murcia) als "unschuldiges Opfer einer Attacke der UCI gegen die Menschenwürde und Sportlerehre" verteidigte (TOUR berichtete in der Oktober-Ausgabe).

Wie unschuldig Valverde sein kann, wenn in Eufemiano Fuentes Dokumenten ein "Valv. (Piti)" auftaucht und in Valverdes Haushalt ein Hund namens Piti weilt, können wir uns bildlich vorstellen. So lagerte also Valverdes "optimierte" Blut zwischen den Konserven von Roberto Heras und  Marcos Serrano.
Ein weiteres Beispiel für blinden Aktionismus lieferte Heras selbst (der nach seinem Vuelta-Sieg 2005 des EPO-Doping überführt und gesperrt wurde), als er im Radsportmagazin Todociclismo Alejandro Valverde und Allan Davis als unschuldige Opfer bezeichnete.

Bekannt ist leider auch, dass viele Doping-Substanzen erstaunlich einfach in Spanien über oder unter der Theke an den Mann gebracht werden. Da verwundert es kaum, dass der Deutschen liebste Insel Mallorca und das Radsportparadis schlechthin auch dafür bekannt war, dass man bis vor einigen Jahren noch problemlos und rezeptfrei Epo in der Apotheke kaufen konnte. Die "Neue Zürcher Zeitung" berichtete vor einigen Jahren von einem Trainingslehre-Lehrbuch des spanischen Leichtathletikverbands (RFEA), in dem der Gebrauch von Anabolika genau beschrieben wird und darüber hinaus sogar kombinierte Trainings- und Dopingpläne beschrieben werden. Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht über die "Steroid Bible" oder "Hormone im Ausdauersport", sondern über die Publikation eines Verbands.

Der spanische Radsport-Verbandspräsident Sánchez Montesino zur Fuentes-Affäre im Bonner Generalanzeiger: "Ich kann doch nichts machen, ohne schlüssige Beweise". Jan Ullrich bezeichnet er als "eines der Opfer". Soweit Montesino im März - wo jedem klar gewesen sein dürfte, dass die Anschuldigungen, die sich aus der Operation Puerto ergaben, nicht frei erfunden sind.

Nachdem Doping nach wie vor in Spanien nicht strafbar ist, halten sich auch die Ermittlungsbehörden sehr zurück. Ausschließlich dem großen internationalen Interesse ist es wohl zu verdanken, dass die Akte Puerto noch nicht geschlossen und alles unter den Teppich gekehrt wurde. Das wäre wohl auch im Sinne einiger spanischer Radsportfans, die Dopinggeständnisse ähnlich sehen, wie es der spanische Sportstaatssekretär Jaime Lissavetzky gegenüber dem Schweizer Sportmagazin TSR ausgedrückt hat (frei übersetzt): "Ivan Basso ist ein würdiger Champion und beweist Mut, weil er Verantwortung übernimmt." Interessante Stellungnahme, die tief blicken lässt.

Entgegen dem, was Redakteur Carlos Arribas in WELT Online schrieb (”…In der Heimat des Dopingarztes Eufemiano Fuentes haben sich die Menschen angeekelt vom Radsport abgewendet…”), habe ich persönlich den Eindruck, dass sich zwar Sponsoren aus dem Radsport zurückziehen, die Teams und Funktionäre jedoch genau da weiter machen, wo sie nie aufgehört haben. Gleiches gilt auch für viele Fans, die unverbesserlich nur große Siege gelten lassen, sich für den Weg dahin aber nicht interessieren. Da wird der spanische Toursieger Contador hofiert, dessen Name auch auf der Liste des Eufemiano Fuentes stand und später daraus entfernt wurde. Alejandro Valverde wurde trotz des schweren Verdachts vom spanischen Verband nicht zur Tour 2007 gesperrt und musste in seiner Heimat auch nicht gerade Gegenwind erfahren.

 

Abschließend ist es interessant zu lesen, wie viele spanische Radprofis sich der Dienste des Fuentes versichert haben. Die Liste liest sich wie das “Who is who” des spanischen Radsports.

Ich möchte den Kommentar hier nicht beenden ohne zu sagen, dass es mir fern liegt Spaniens Radsport in den Dreck zu ziehen und gerade aus Deutschland, wo u.a. das Team Telekom/T-Mobile allen bisherigen Erkenntnissen nach wohl jahrelang systematisch gedopt hat, mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen. Es fällt allerdings auf, dass die Verarbeitung der Vorgänge sowohl bei den Aktiven und Teams, als auch bei den Ermittlungsbehörden und Funktionären, anderen Regeln zu folgen scheint, als hierzulande. Ob das nun positiv ist, wage ich zu bezweifeln.

© Image-Copyrights: Karbazin, Stockxpert

Ingo Kruck 

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
Weiterführende Links: Radsport Spanier haben die zweifelhaftesten Blutwerte (WELT Online/Carlos Arribas)
Weiterführende Links: Radsport Die Liste der Sünder (Stern.de)
 
Kommentar: Die Cosa Nostra der Doper - Teil 2 PDF Drucken E-Mail

Die Cosa Nostra der Doper

Vom Kellerlabor zur Uniklinik - Teil 2 des Anti-Doping-Kommentars von Apotheker Helmut Baumgartner.

Apotheken sind noch die sicherste und am wenigsten beunruhigende Bezugsquelle für Dopingmittel. Auch hier bleibt mir angesichts des unethischen Verhaltens vieler Ärzte und des verantwortungslosen Gehabes meiner Apothekerkollegen die Spucke weg:
Bei den schon zitierten Studien gab ein Teil der Befragten an, die Dopingmittel entweder über Arzt oder Apotheker bezogen zu haben, dabei schwanken die Angaben von 14 % von bis zu 60 % vom Arzt und 12 %  bis 43 % aus der Apotheke. (Die starken Schwankungen zeigen: zu dem Thema gibt es immer noch zu wenige und zu wenig umfangreiche Untersuchungen).
Der Selbstmedikationsmarkt auch bei Dopingsubstanzen ist also ein großer. Im Jahr 2001 entfielen knapp 1 Promille aller verordneten Verpackungen und 0,9 % der Arzneimittelausgaben auf Anabolika, Androgene und Wachstumshormone. Insgesamt wurden 770.000 Packungen mit einem Umsatz von 195 Mio Euro in den Apotheken abgegeben. Dabei beträgt der Anteil der Selbstmedikation bei der Gruppe der Androgene und Anabolika ca. 11 %. Offensichtlich geben Apotheker diese verschreibungspflichtigen Substanzen ohne ärztliches Rezept ab.
Während ein Teil der Apothekerschaft den nicht unerheblichen Umsatz über den Tresen stillschweigend einstreicht und überwiegend materielle Gründe  haben dürften, ist die Motivlage bei den Ärzten unübersichtlicher:

Merkwürdige Selbstversuche eines ZEIT-Redakteurs

Ein Artikel der ZEIT im Sommer schildert die problemlose Beschaffung von EPO über einen Arzt in Zürich, den Transport der kühlpflichtigen Ampullen in einer Kühltüte aus der Flughafenkonditorei  und die anschließende Injektion „am Wohnzimmertisch“, ebenfalls durch einen Arzt („einfach wie eine Grippeimpfung!“)! Neben der ärgerlichen Flapsigkeit, mit der der Autor seinen überflüssigen Selbstversuch schildert, macht das Verhalten der beteiligten Ärzte sprachlos: der Arzt in Zürich, Herr Breymann, führt in Zürich eine Studie an Hobbysportlern (!) durch, die den leistungssteigernden Effekt von EPO klären soll. Wer braucht solche Erkenntnisse? Was soll dieser Unsinn? Breymann ist übrigens, ebenso wie der Kollege Eufemiano Fuentes, Gynäkologe….

Weiterführende Links: Radsport Kommentar zum ZEIT-Artikel auf Radsportscout vom 19.07.2007

Heidi Schueller, Ärztin, Olympiateilnehmerin in München und Sprecherin des Olympischen Eides 1972, kennt Augenärzte und Gynäkologen, die Sportärzte sind und fragt sich, was diese eigentlich dazu befähigt Sportärzte zu sein: „Das Orthopädische muss ein guter Orthopäde können, oft sogar ein guter Physiotherapeut. Das kardiologisch Belastungsmäßige muss ein guter Kardiologe können oder ein Internist und für Wachstumshormone braucht man einen fachkundigen Endokrinologen. Mir ist klar, auf was Spitzensportmedizin hinausläuft: auf  die Ausreizung von Maximalleistungen. Wenn man im Wettkampfbereich noch mit Eigenblut oder Epo die Ausdauerleistung steigert und damit die Viskosität des Blutes - dann hört für mich der Spaß auf. Epo macht das Blut zähflüssig, führt zu Thrombose- und Infarktneigung: Epo wird Tumorpatienten gegeben, die zu wenig Blutkörperchen haben. Wer so was als Arzt im Sport unter dem Signum der Medizin mit macht, ist für mich disqualifiziert. Ein für allemal.“
(alle Zitate SZ 05.06.07).

Bisher noch nicht disqualifiziert sind eine Reihe der „Freiburger Ärzte“, von denen zumindest Herr Heinrich als aktiver Blutdoper jüngst von Patrik Sinkewitz genannt wurde. Sinkewitz schilderte auch den Transfusionszwischenfall. Wegen Verklumpung des Blutes musste die Transfusion abgebrochen werden – sonst hätte Lebensgefahr bestanden. (Inzwischen vermutet man, dass sich fünf weitere T-Mobile-Fahrer ebenso wie Sinkewitz in Freiburg wieder ihre Blutkonserven reinfundieren ließen, am Vorabend des Zeitfahrens der TdF 2006.)
Sinkewitz ist nun nachträglich als Blutdoper überführt. Alexandre Winokurow wurde schon während der TdF 2007 des Blutdopings überführt. Vor ein paar Tagen ist er nun „zurückgetreten“. Das Team Astana macht wohl unbehelligt weiter, obwohl die Hintergründe von Winokurows Manipulationen nicht geklärt sind. Einerseits war Wino Kunde von Michele Ferrari, andererseits waren auch im Team Astana „Freiburger“ Ärzte tätig: Noch im Sommer 2007 heißen  die Pendants zu Lothar Heinrich und Andreas Schmid (T-Mobile) bei Astana Holger Hüring und Andreas Blum.
Andreas Blum arbeitete bis 2006 bei T-Mobile.
Hüring war vor dem Astana Engagement bei Phonak beschäftigt. Bei den Razzien in der angemieteten Wohnung für die Aufbewahrung von Dopingmitteln und Blutbeuteln in Madrid wurden Hinweise auf die Phonak-Fahrer Botero (ehemals Telekom), Sanzi Perez und José Gutierrez gefunden. Das Phonak-Team wurde endgültig nach den Dopingfällen von Oskar Camenzind, Tyler Hamilton und schließlich Floyd Landis geschlossen. Holger Hüring, bis im Sommer Medizinischer Leiter bei Astana, war in der Vergangenheit an der westfälischen Sportklinik Hellersen beschäftigt und dort Kollege von Ernst Jakob, der als Arzt des Deutschen Skiverbandes in der Olympiaaffäre um Evi Sachenbacher für Irritationen sorgte. Ernst Jakob betreute (oder betreut noch) das  Team Gerolsteiner und war ebenfalls Kollege in Freiburg von Schmid und Heinrich. Jakob betreute bis 2003 das Team Coast (später Bianchi mit Jan Ullrich), wo Hüring als Orthopäde seinen Einstieg in den Radsport fand.

Allen Genannten ist die berufliche Vergangenheit in Freiburg gemeinsam, dazu zu zählen ist auch noch Georg Huber, der die Verabreichung von verbotenen Substanzen (Andriol) an Radsportler  zugegeben hat.
Eine seltsame Ruhe hat sich über die Enthüllungen um die Freiburger Ärzte gelegt. Vielleicht ganz gut so, die Staatsanwaltschaft ermittelt, hoffentlich gründlich. Zu hoffen ist auch, dass die kürzlich durchgeführten Hausdurchsuchungen bei einigen der Ärzte noch genügend Material lieferten. Denn egal, ob es um dreckige Drogenküchen in dubiosen Kellerlaboren oder um verborgene Dopingpraktiken von Ärzten geht – der Kampf gegen die Cosa Nostra der Doper hat gerade erst begonnen.


Helmut Baumgartner

Quellenhinweis und weitere interessante Links zum Thema:
Weiterführende Links: Radsport Superheld für acht Tage (ZEIT.de / Tobias Hürter)
Weiterführende Links: Radsport Dann ging's ab über Nacht (SPIEGEL Online / Jörg Schallenberg) 
Weiterführende Links: Radsport Doping ist ihr Hobby (RP Online)
Weiterführende Links: Radsport Mit Anabolika ins vordere Mittelfeld (Scheinschlag - Berliner Stadtzeitung)
Weiterführende Links: Radsport Senioren und Sportbetrug (sspberatung.de)
Weiterführende Links: Radsport Ich bin FÜR Doping! (User Dino um Tagesschau-Forum)

 


JPAGE_CURRENT_OF_TOTAL

Login

Activity Stream

1 month ago
Ingo Kruck updated article Silikonband kaufen Feb 04
Ingo Kruck updated article Lighweight Schnellspanner Feb 02
Ingo Kruck updated article Relaunch von Radsportscout Feb 02
 

Community Statistiken 

Statistics
Total Members
: 67
Total Groups
: 0
Total Discussion
: 0
Total Albums
: 0
Total Photos
: 0
Total Videos
: 0
Total Bulletins
: 0
Total Activities
: 7
Total Wall Posts
: 0

Top User

No top members yet.

Video Kommentare

  • MOD_VIDEOCOMMENTS NO COMMENTS

Aktuelle Diskussionen 

No discussion yet.

User Online 

0 users and 17 guests online

Facebook Connect

Facebook API keys need to be provided to have Facebook connect work

Galerie Kommentare

  • MOD_PHOTOCOMMENTS NO COMMENTS